Predigt zur Konfirmation über Lukas 19,37-40

  • 03.05.2026 , 4. Sonntag nach Ostern – Kantate
  • Pfarrer Dr. Janning Hoenen

PDF zur Predigt HIER

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

liebe Eltern, Patinnen und Paten,

liebe Konfirmationsfamilien,

liebe festliche Gemeinde!

So wie heute in der Thomaskirche war eine riesige Menge Menschen versammelt, aber draußen an der Straße Richtung Ölberg. Frauen und Männer, Junge und Alte, Leute aus Jerusalem und von außerhalb, solche, die schon lange dabei waren und andere, die frisch dazugekommen waren – und sie machten Lärm. Es waren die Freundinnen und Freunde von Jesus, seine Anhängerinnen und Anhänger. Mit lauten Stimmen riefen sie und johlten und sangen und gaben ihrer Begeisterung Ausdruck.

Worüber?

Über alle Taten, die sie gesehen hatten. Das heißt: Über alles, was sie mit Jesus erlebt hatten: über die Heilungen, die ungewöhnlichen Geschichten, die Art, wie Jesus mit den Leuten umgeht: freundlich, respektvoll, ohne Hintergedanken. Über seinen Ernst und seine Leichtigkeit. Wie er betet. Wie er Gottesdienst feiert. Wie er sich mit den Mächtigen anlegt.

Und sie sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

Aber da kommen die Spielverderber.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, erinnert Ihr Euch, wie wir in Dresden abends nach dem Konfi-Knigge in diesem schrecklichen Aufenthaltsraum saßen und der Hausmeister kam und uns anbrüllte, es sei viel zu laut?

So muss das auch damals bei Jesus gewesen sein: die Spielverderber fühlen sich gestört in ihrer Weltsicht, ihrem Ordnungssinn, vielleicht in ihrer Angst, und sie fordern Jesus auf, für Ruhe zu sorgen. Meister, weise doch deine Jünger zurecht!

Aber Jesus reagiert in seiner typischen und coolen Art, die seine Jünger so lieben, und sagt: Wenn diese Menschen schweigen werden, so werden die Steine schreien: Meine Geschichten, mein Weg, mein Glauben an Gott, all das muss weitererzählt werden, weitergesungen werden, weiterschrien werden, und das wird keiner verhindern können.

 

II

Liebe Konfis, darum geht es mir heute.

Ich möchte, dass Ihr Euch nicht den Mund verbieten lasst. Keiner von Euch soll sich von irgendjemanden sagen lassen – shut up, Deine Meinung ist nicht wichtig.

Es wird immer Leute geben, die meinen, sie wissen es besser. Weil es schon immer so gewesen ist. Weil sie älter sind. Weil sie der behaupteten Mehrheit angehören. Weil sie auf Insta oder TikTok lautstark Stimmung machen.

Lasst Euch nicht den Mund verbieten. Lasst Euch nicht klein machen. Plappert nicht einfach irgendetwas nach. Passt Euch nicht einfach irgendeinem Mainstream an.

Sondern sagt, was Euch bewegt, was Euer Leben bedrängt, was Euch Mut gibt, was Ihr braucht. Sucht Euch Menschen, mit denen Ihr darüber reden könnt. Gruppen, in denen verschiedene Meinungen respektiert werden. Wo freundlich miteinander umgegangen wird.

Und redet mit uns, den Erwachsenen. Uns Erwachsenen, die vieles eben nicht blicken, die meinen, sie verstehen die Welt, aber sich schrecklich irren. Sagt uns, wo Ihr hinwollt, mit Euch, mit Eurer Familie, mit der Welt, der Schöpfung. Gebt uns Eure Ideen. Neue Ideen sind erlaubt, gewünscht, notwendig.

Wir brauchen Eure Ideen, damit es mit dieser Welt irgendwie weitergehen kann, denn die alten Rezepte, nach denen die Mächtigen dieser Welt momentan agieren, funktionieren ja nicht.

Eure Vorstellungen müssen nicht perfekt sein. Vieles ist jetzt nicht klar und nicht konkret. Klar. Erwachsen werden dauert noch. Es dauert ein Leben lang.

III

Liebe Konfis,

Lasst Euch den Mund nicht verbieten und sagt Eure eigene Meinung.

Dafür ist eines ganz besonders wichtig: Bildet Eure Meinung aufgrund von Tatsachen, auf eigenen Erfahrungen, nicht auf Hörensagen. Schaut genau, wer Euch etwas erzählt – ob das stimmen kann, ob das eine Berechtigung hat. Prüft die Fakten, prüft die Quellen Eurer Information. Und bildet daraus Eure eigene Meinung.

Das ist schwer, ich weiß. Vielleicht heute schwerer denn je.

Deshalb ist es wichtig, so eine Art Koordinatensystem zu haben. Werte. Maßstäbe.

Hier kommt jetzt der Glauben ins Spiel, besonders der evangelische Glaube, zu dem Ihr Euch heute in der Konfirmation bekennt. Ihr habt anderthalb Jahre lang gelernt, was christlicher Glaube, was christliche Hoffnung, was christliche Liebe ist. 

Ich möchte, dass Ihr diese Werte behaltet: Respekt. Miteinander. Offene Diskussion. Gleichwertigkeit aller. Meinungsfreiheit. Unterstützung der Schwachen, derer, die Hilfe brauchen. Friedlicher Umgang. Ehrlichkeit. Auch mal für den anderen etwas "opfern". 

Wir sind alle gleich: Auch Jungs bügeln, auch Mädels binden Krawatten. Wir sorgen uns umeinander, lassen niemanden alleine oder zurück. Wir nutzen es nicht aus, wenn jemand schwach ist oder einmal einen Fehler gemacht hat.

Ihr habt ein tolles eigenes Glaubensbekenntnis geschrieben, das wir schon vergangenen Sonntag gehört haben. Da heißt es unter anderem:

Wir glauben an Gott, der diese Welt erschaffen hat,

damit Glück und Liebe sich in der Welt ausbreiten.

Gott interessieren nicht die äußeren, sondern die inneren Werte.

Jesus hat so gelebt, wie wir leben sollten.

Der Heilige Giest bringt uns die Freude im Leben.

Wir glauben an das Gute in den Menschen

und an die Stärke ihrer Gemeinschaft,

sich für das Gute einzusetzen.

Euer Bekenntnis zeigt, dass es um Werte geht, um Hilfe und Rat, wie wir leben können. Es geht aber auch um Ziele: Glück und Liebe für Euch persönlich und Frieden in der Welt.

Dafür brauchen wir die Hoffnung – diese unerschütterliche Kraft, dass Gott es gut meint und es gut werden lässt, mit unserer Unterstützung. Der Glaube soll Euer Leben reich machen. Hilfestellung sein. Mut machen. Eine Richtung geben.

Ich wünsche Euch, dass Ihr diese Hoffnung und diesen Glauben immer wieder findet. Ich wünsche Euch, dass Ihr fest werdet im Glauben – das bedeutet Konfirmation: sich fest darauf verlassen wollen, dass Gott unser Leben reich macht. Fest darauf vertrauen, dass bei Jesus Christus unsere Zukunft liegt.

Es heißt übrigens Konfirmation, nicht „Konformation“, wie Ihr manchmal auf Signal geschrieben habt. Fest machen, firm werden, nicht konform, einheitlich. Jeder und jede ist anders, aber wir gehören zusammen. Und gemeinsam vertrauen wir auf Gott.

IV

Liebe Konfis,

ja, lasst Euch den Mund nicht verbieten. Sprecht davon, was Ihr hier in St. Thomas erlebt habt, mit Pfarrerin Gerhardt und Frau Sawatzki, mit Ute Hennig und Andrej Lacko, mit den JGlern und mir und allen anderen. Traut Euch, anderen Menschen zu erzählen, was Euch hier wichtig geworden ist. Ladet sie ein, einmal mitzukommen – wir können alle Unterstützung gebrauchen.

Lasst Euch den Mund nicht verbieten auch in dieser Gemeinde – wir möchten Euch gern auch in Zukunft hier bei uns haben. Nicht als Konfis, sondern als mündige Christen, die Ihr jetzt seid, mit Euren Ideen und Wünschen, Vorstellungen und Visionen. Kommt zu uns, und macht mit. Kommt zu uns und sagt, was Ihr braucht. Wir möchten mit Euch an dieser Gemeinde weiterbauen.

Und traut Euch, immer wieder einzustimmen in das, was die Menschen damals auf der Straße zum Ölberg riefen:

Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

Amen.