Bach-Orgel Thomaskirche. Foto: Maren Glockner Prospekt der Bach-Orgel in der Thomaskirche Leipzig

Geschichte der Bach-Orgel (Woehl, 2000)

Im Bach-Jahr 2000 (250. Todestag Johann Sebastian Bachs) wurde die neue Bach-Orgel der Thomaskirche geweiht. Das Werk entstand auf Anregung von Thomasorganist Ullrich Böhme und wurde durch die Marburger Orgelwerkstatt Gerald Woehl erbaut. Es hat seinen Platz auf der Nordempore der Kirche gegenüber dem Bach-Fenster.

Das schlanke Gehäuse nimmt Bezug zur ehemaligen Orgel der 1968 gesprengten Universitätskirche St. Pauli. Diese barocke Orgel hatte Johann Sebastian Bach 1717 gespielt und begutachtet. Woehl passte den Prospekt an die räumlichen Verhältnisse in der Thomaskirche und an die viermanualige Disposition des neuen Instruments an, das durch ein zusätzliches Oberwerk gekrönt wird. Durch das barock gegliederte, sich zur Mitte hin konzentrierende Gehäuse soll der Charakter der Orgel als ein barockes Instrument zum Ausdruck kommen. Demgegenüber sind viele Details, etwa die Rahmenprofile und Gehäuseschwünge, das Bach-Emblem in der Mitte der Orgel, die Bekrönung über dem Spieltisch und die beiden Zimbelsterne modern gestaltet.

Die Disposition mit 61 Registern auf 4 Manualen (Hauptwerk, Oberwerk, Brustwerk, Echo) und Pedal hat eine historische Disposition der Bach-Zeit zum Vorbild. Johann Christoph Bach, der Onkel Johann Sebastians, entwarf sie 1698 für eine Orgel in der Eisenacher Georgenkirche. Johann Sebastian Bach hat als Kind das Entstehen dieser Orgel miterlebt. Sie muss ihn stark beeindruckt haben, denn in seinen späteren Orgelgutachten verlangte er immer wieder Klangfarben, die in der Eisenacher Orgel vorhanden waren. Das Eisenacher Instrument existiert heute nicht mehr.

Der Klang der Bach-Orgel orientiert sich auch durch die Bauform der Orgelpfeifen und in ihrer Intonation am mitteldeutschen Orgelbau des 18. Jahrhunderts und ist so in idealer Weise für die Darstellung der Orgelmusik Johann Sebastian Bachs geeignet.

Spielhilfen an der Bach-Orgel

Nebenregister

Tremulant für das ganze Werk
Zimbelstern für das Plenum
Zimbelstern für kleine Registrierungen
Glockenspiel (c°-c‘‘‘), vom Oberwerk spielbar
Vogel Geschrey
Plenum Wind (zusätzlicher Stoßbalg)

Koppeln

Oberwerk/Hauptwerk (III–II)
Echo/Hauptwerk (IV–II)
Hauptwerk/Pedal (II–P)
Oberwerk/Pedal (III–P)
Kammertonkoppel für die ganze Orgel (466/415 Hz)

Tonumfänge Chorton 466 Hz: Manuale C-f’’’, Pedal C-f’
Tonumfänge Kammerton 415 Hz: Manuale C, D-f’’’, Pedal C, D-f’

Ungleichstufige Stimmung nach Neidhardt (modifiziert)

a‘ = 466 Hz bei ca. 21° Celsius

Keilbalganlage mit 4 großen Bälgen unter dem Emporenboden, in Pedal- und Manualwind getrennt, gespeist durch zwei Schleudergebläse und Vorbälge.

Spieltisch Bach-Orgel Thomaskirche Leipzig

Disposition Bach-Orgel

I Brustwerk C–f3
Grob Gedackt 8′
Klein Gedackt 4′
Principal 2′
Super Gemßhörnlein 2′
Quint-Sexta II  
Sieflit 1′
II Hauptwerk C–f3
Bordun 16′
Principal 8′
Violdigamba 8′
Rohrflöth 8′
Quinta 6′
Octav 4′
Nassatquint 3′
Superoctav 2′
Queerflöth 2′
Sesquialtera III  
Mixtur VI  
Cimbel III  
Fagott 16′
Trombetta 8′
III Oberwerk C–f3
Quintaden 16′
Principal 8′
Gemßhorn 8′
Gedackt 8′
Flauta doux 8′
Octav 4′
Hohlflöth 4′
Hohlquint 3′
Superoctav 2′
Plockflöth 2′
Sesquialtera III  
Scharff IV  
Hautbois 8′
Vox Humana 8′
Tremulant  
IV Echo C–f3
Barem 16′
Still Gedackt 8′
Quintaden 8′
Principal 4′
Nachthorn 4′
Spitzflöth 4′
Spitzquint 3′
Octav 2′
Schweitzerflöth 2′
Rauschquint 1 12
Superoctävlein 1′
Cimbel III  
Regal 8′
Pedal C–f1
Großer Untersatz 32′
Principal 16′
Violon 16′
Sub Bass 16′
Octav 8′
Quintaden 8′
Gedackt 8′
Superoctav 4′
Bauerflöth II 1′
Mixtur VI  
Posaun Bass 32′
Posaun Bass 16′
Fagott 16'
Trombet 8′
Cornet 2′