Predigt über Lukas 5,1-11

  • 05.07.2026 , 5. Sonntag nach Trinitatis
  • Superintendent Sebastian Feydt

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Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!

In der Stille bitten wir Gott um seinen Segen für seinen Worten und unser Hören und Verstehen.

 

Liebe Gemeinde! Endlich!

Endlich hört jemand Jesus zu.

Denken wir ja nicht, die Szene, als Jesus am See Genezareth im Boot sitzt und viele Leute am Ufer stehen und ihm zuhören, wäre normal gewesen. Weit gefehlt!

Aus dem Evangelium des Lukas wissen wir, dass Jesus am Anfang seiner Zeit als Wanderprediger keinen Erfolg hatte.

Kaum jemand wollte von ihm angesprochen werden, oder etwas vom Reich Gottes hören.

Und das war sicher nicht nur den Anfänger-fehlern des jungen Rabbi geschuldet.

In Nazareth, seiner Heimat, trachten sie Jesus sogar nach dem Leben.

Das ist eine Erfahrung, die Jesus nicht erspart geblieben ist: vergebliche Mühe, im Wortsinn nichts ausrichten zu können.

Oder, wie wir heute treffend sagen:

Die Menschen schenkten seinen Worten einfach keinen Glauben.

Das geht an niemand spurlos vorbei, oder?

 

Liebe Gemeinde, halten wir das im Blick, wenn das - vielen vertraute - Evangelium vom Fischzug des Petrus in uns nachklingt.

Denn als Jesus am Ufer des Sees Genezareth steht, hat ihn seine Erfahrung, vergeblich zu wirken, erfolglos zu bleiben, dorthin begleitet. So erfrischend das Wasser des Sees und die fruchtbare Gegend erscheinen mögen.

Vor seinem inneren Auge steht die Erfahrung der ausbleibenden Selbstwirksamkeit.

Sich angestrengt zu haben, aber für nichts und wieder nichts.

Und nun? Was stellt sich in solchen Momenten bei uns ein? Ist es nicht das Empfinden:

Ich genüge nicht. Ich versage bei dieser viel

zu großen Aufgabe. Ich schaffe es halt nicht.

 

Liebe Gemeinde, das ist eine Gefühlslage, die einen nach unten ziehen kann.

Deprimierend ist das.

Aber genau das bleibt im Leben nicht aus:

Es gibt keine Garantie auf Erfolg und Glück.

Es gibt keine Versicherung fürs Gelingen,

nicht einmal für gelingendes Leben.

So ist die Erfahrung, die Jesus macht.

Eine tiefgreifende Erfahrung, die er damals mit den Fischern und heute mit vielen Menschen teilt:

Vergeblichkeit bleibt im Leben nicht aus.

Scheitern und Versagen auch nicht. 

 

Liebe Gemeinde,

ist es gerade diese Lebensweisheit, die Jesus glaubwürdig werden lässt?

Gibt seine ehrliche und zugewandte Haltung seinen Worten eine Kraft, die die Menschen so unvermittelt aufhorchen lässt?

Mit einem Mal ist die Menge der Leute da,

die seine Predigt hören wollen.

Mit einem Mal drängen sie zu ihm, interessieren sich dafür, wie Jesus von Gott spricht; und was er über das Leben sagt.

Und das mitten im Leben.

Fernab der sakralen Orte.

Jesus steht am See. Genauer gesagt am Ufer.

Am Übergang, wie es halt dieser Bereich ist.

Gibt uns das heute zu denken, wenn wir fragen, wo wir heute Gott bezeugen und das Leben feiern?

Gibt uns das zu denken, wenn wir überlegen, wie heute die Verkündigung des Evangeliums gelingen kann?

Jesus nimmt uns mit an die Ufer im Leben.

Zu den Übergängen in unserem Alltag:

Dorthin, wo wir eben noch festen Boden unter den Füßen haben – und dann schon den stürmischen Wellengang erleben.

Dorthin, wo einem der Boden unter den Füßen zu schwinden droht oder man Gefahr läuft zu schwanken, vielleicht gar unterzugehen.

Wir haben unsere ganz eigenen Vorstellungen,

wo die Übergänge in unserem Leben liegen.

  • Zwischen Schule und Ausbildung.
  • Zwischen allein leben oder als Paar.
  • Zwischen gesund sein und krank sein.
  • Zwischen leben wollen und sterben werden…
  • Zwischen sich dazugehörend wissen und vereinsamt sein.
  • Zwischen vertrauensvoll glauben können und mit der Kirche fertig sein...

 

Liebe Gemeinde, dieses Evangelium am Übergang soll uns beschäftigen, darf uns umtreiben.

Wir sollen uns fragen, wie Glaubwürdigkeit erreicht werden kann, wie wir überzeugend reden.

Wie es uns gelingt Jesus nachzufolgen – aber nicht einfach so, nicht so dahingesagt, sondern konkret, an die Ufer des Lebens, an die Übergangs-Orte mitten im Alltag der Menschen.

Das Vertrauen der Menschen gewinnt Jesus nicht im Tempel, nicht im sakralen Raum, sondern dort, wo ihr Leben gelebt wird.

Mit allem, was dazu gehört. In den kleinen großen Vergeblichkeitserfahrungen ihres Alltags.

Dort erweist sich sein Wort als heilsam.

Dort hören Menschen ihm zu.

Weil sie spüren: Da hat einer uns etwas zu sagen. Da spricht einer zu uns und meint uns.

Das ist glaubwürdig. Das ist wunderbar.

Das ist für sich genommen ein Wunder.

Und es wirkt Wunder.

Als Jesus Simon auffordert, nach stundenlangen vergeblichen Versuchen in der Nacht etwas zu fangen, nun früh am Tag die Netze erneut auszuwerfen, da antwortet er ihm: Meister wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.

Das nenne ich Vertrauen.

Und was für ein Vertrauen ist das!

Gegen allen Augenschein, gegen die eigene Berufserfahrung.

Allein auf das Wort zu bauen und zu sagen:

Auf dein Wort hin will ich es tun.

 

Liebe Gemeinde, so geschieht es.

Was dann Wunder-volles konkret geschieht scheint gar nicht mehr von Belang zu sein.

Was mit den vielen Fischen in den zu zerreißend drohenden Netzen der Fischer wird – wir hören gar nicht mehr davon.

Sie werden viele satt gemacht haben.

Was wir aber hören, ist pures Entsetzen Petrus, das ergreift. Er ist zutiefst erschrocken und verunsichert. Es scheint ihn umzuwerfen.

Aber er geht nicht zu Boden.

Er geht auf die Knie. Das ist etwas anderes.

Das ist eine demütige Haltung, die mich zu einer neuen, vertieften Sicht auf mich selbst führen kann. Und dem Leben eine neue Wendung schenkt: Von nun an wirst du Menschen gewinnen, hört er.

Der Mann, der sich so deutlich seiner Begrenztheit vor Gott bewusst wird;

Wir, die wir merken, dass wir nicht perfekt sind, Fehler machen, nicht alles selbst vermögen, mit Situationen umgehen müssen, die wir nicht vorhersehen, die einfach nur vergeblich sind –wir können, wie Petrus, eine neue Aufgabe übertragen bekommen und sie annehmen.

Mit einer neuen Ausrichtung.

Menschen zu gewinnen.

Und dabei dieser Aussicht zu vertrauen.

Gegen allen Augenschein ganz bewusst die Hoffnung hoch zu halten.

Ganz bewusst zu wagen, im Unfertigen aufzubrechen, keine Angst davor zu haben, zu verlieren, sondern vertrauensvoll zu versuchen im alltäglichen Leben das Gelingen zu erfahren. Auf dein Wort hin...

Das ist der Vertrauensvorschluss im Glauben.

Und was für eine große Freiheit ist das?!

Zu gewinnen – Menschen zu gewinnen...

Das ist die große Verheißung dieser biblischen Geschichte: Auf dem Zugehen auf Andere, auf dem Nachgehen als Botschafter Gottes, auf dem Leben-retten und auf dem In-die-Knie gehen zu Anderen und vor Gott liegt Segen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahrte unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.