Motettenansprache über BWV 17

  • 05.09.2026
  • Superintendent Sebastian Feydt

PDF zur Motettenansprache HIER

Liebe Gäste hier in der Thomaskirche,

liebe Gemeinde,

würden Sie sich zu den dankbaren Menschen zählen? Die gibt es ja durchaus.

Wir alle kennen Personen, die uns durch ihre dankbare Ausstrahlung vor Augen stehen:

in der eigenen Familie, in der Nachbarschaft, auch in der Öffentlichkeit.

Das sind Leute, die mehr können als einfach nur „Danke“ zu sagen.

Dankbarkeit drückt sich ja nicht zuerst mit Worten, sondern mit einer Herzenshaltung aus.

Dankbare Menschen sind oft auch großzügige Leute. Freigiebig könnte ich auch sagen.

Sie haben etwas, dass sie gern mit anderen teilen. Nicht Geld oder Besitz, sondern Freude am Leben, Freude an dem, was ich als Mensch ohne mein Zutun geschenkt bekomme.

-Einen Ort, an dem ich zu Hause bin.

-Halbwegs bei Kräften zu sein, gesund zu sein, ein Auskommen zu haben.

-Mit anderen in eine größere Gemeinschaft, eine Familie, einen Freundeskreis, eine Stadtgesellschaft zu gehören.

Beobachten Sie mal Personen, die Sie als dankbare Zeitgenossen ansehen.

Sie strahlen neben ihrer Dankbarkeit auch eine Zufriedenheit aus, tragen eine innere Ausgeglichenheit und Frieden in sich.

Das tut ihnen offensichtlich gut.

Und anderen – uns - auch.

Ich wünsche mir, dass Dankbarkeit ein bisschen mehr ansteckend wäre unter uns.

Es gibt so viele, die denken:

Wofür soll ich dankbar sein?

Was ich bin und was ich habe,

bin ich und habe ich durch mich.

Ich verdanke es meiner Leistung, meinem Verdienst, meiner Cleverness.

Richtig weit bringt mich, bringt uns selbstbezogene Dankbarkeit nicht.

Im Gegenteil.

Sie trägt die Gefahr in sich, sich ins Gegenteil umzukehren: In Unzufriedenheit, in eine Haltung, die wir gegenwärtig weit verbreitet als Undankbarkeit erleben. Uns darin vielleicht sogar selbst ein wenig entdecken.

Dankbarkeit wird uns allen nicht in die Wiege gelegt. Vielleicht erinnern Sie auch die Momente in der Kindheit, als Eltern oder Großeltern großen Wert darauflegten, dass wir „Danke“ sagen, ich mich bedanke...

Nicht immer führte das sofort zum Ziel.

Und doch ist es wichtig:

Schult es doch mein Bewusstsein, dass ich als Mensch und wir als Gesellschaft von Voraussetzungen leben, die wir uns nicht selbst schaffen, sondern anvertraut bekommen.

Die Grundlagen meines Daseins: meine Begabungen und alles, was ich kann, mein Leben habe ich mir nicht selbst gegeben.

Über Jahrtausende waren es die Religionen und Religionsgemeinschaften, die diese über mich hinausweisende Perspektive auf das Leben und das Zusammenleben in die Gemeinschaft eingetragen haben.

Glaube an Gott schließt auch den Dank an Gott immer mit ein. Die Kantate von Johann Sebastian Bach: Wer Dank opfert, der preiset mich singt es uns ins Herz.

Um in uns diesen weiten Blick auf die Grundlagen des Lebens: Luft, Wasser, alles zwischen Himmel und Erde als Geschenk Gottes, als Gottes gute Schöpfung dankbar annehmen zu lassen.

Haben Sie noch im Ohr, wie Bach in der wunderbaren Eingangssinfonie der Kantate der Großzügigkeit Raum gibt?

Hier will die Großzügigkeit der Musik in uns ihren Resonanzraum finden, etwas in uns zum Klingen bringen, das mich dankbar sein lässt.

Wir werden es gleich noch hören.

Dankbarkeit ist nie die Sache aller.

Einer von zehn Geheilten kehrt noch einmal um und dankt Gott. Einer von zehn! 10 %.

Wie wenig, denken Sie vielleicht.

Nein, wie wichtig, tönt es uns ins Herz:

Wie wichtig, dass es den Einen oder die Eine gibt. Menschen, die wir vor Augen haben, die uns zeigen, wie Dankbarkeit als Haltung guttut.

10 % in einer Gemeinschaft sind nicht wenig, sondern wichtig für unsere Gesellschaft.

Wenn wir uns um unser Zusammenleben bemühen und darum ringen es gut zu gestalten, dann sind 10 % wesentlich.

Es sind diejenigen, die aus ihrem Glauben, aus dem Vertrauen in Gott heraus eine dankbare Haltung leben und mit anderen teilen.

In der Kantate werden wir gleich hören:

Lieb, Fried, Gerechtigkeit und Freud in deinem Geist sind Schätze, dadurch du mir schon hier ein Vorbild weist.

Sollten Sie bei meiner Eingangs gestellten Frage, ob Sie sich zu den dankbaren Menschen zählen, noch gezögert haben, dann lassen Sie sich am zweiten Teil der Kantate einladen das Herz zu öffnen um heil durch die nächsten Tagen zu gehen.

Vielleicht sogar an der einen oder anderen Stelle einmal inne zu halten - und Gott zu danken. Das tut uns allen gut.

Gott sei Dank. Amen.