Motettenansprache
- 25.04.2026
- Superintendent Sebastian Feydt
PDF zur Motettenansprache HIER
Liebe Gemeinde, liebe Gäste,
heute hier in der Thomaskirche,
wie haben Sie dieses Schuldbekenntnis und die Bitte Miseree mei - Erbarme dich meiner in der Vertonung von Gregorio Allegri eben gehört gehabt?
Sicher nicht nur als Vokalmusik längst vergangener Zeit, 500 Jahre alt.
Vielleicht haben Sie den Wortlaut mit verfolgt und sich bei diesen Versen aus Psalm 51 gefragt. „Was hat das mit mir zu tun?
Wenn ich heute Nachmittag in dieses Ringen um die richtige Haltung hineingenommen bin?
Hineingenommen in die Einsicht, dass ich mit dem, was ich als Mensch tue und sage, auch mit dem, was ich unterlasse meiner Verantwortung anderen gegenüber gerecht werde oder eben gerade nicht gerecht werden. Und hier in der Kirche erweitert sich dieses überlegen über uns hinaus auf Gott.
Wo stehe ich mit meinem Leben vor Gott?
Gerade weil es für Viele unter uns nicht so selbstverständlich ist, so zu fragen, lohnt es sich für einen Moment, sich darauf einzulassen.
Wir fallen ja deshalb nicht alle angstbesetzt vor Gott auf die Knie und bitten innständig um Vergebung.
Aber eine Wahrnehmung dafür, dass wir in höchst herausfordernden Zeiten leben, dass ich spüre: es zerbricht mir förmlich das Herz angesichts dieser weltweiten Entwicklung und des unvorstellbaren Verhaltens von Tyrannen und Machthabern –eine Wahrnehmung dafür haben wir sehr wohl.
Es macht sprachlos und hinterlässt große Ratlosigkeit mit anzusehen, wie bereitwillig zunehmend mehr Menschen meinen, mit dem zerschlagen der Grundregeln unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens alles anders und besser werden lassen zu können.
Wenn um sich greift zu vertreten, dass nicht alle Menschen, die von Gott gegebene, gleiche Würde besitzen, wenn wir meinen, das Recht, der Stärkeren bringe uns voran - und nicht unser mühsames andauerndes Ringen um Kompromisse und um eine ausgleichende Gerechtigkeit, dann versündigen wir uns als Christen und Christen an dem Auftrag, der uns vom Evangelium hergegeben ist
Es war ein weltweit beachtetes Signal,
als in der zurückliegenden Woche mit den Worten des Papstes erstmalig eine geistliche Stimme in diese kriegsbelastete, aufgeheizte Welt hineinsprach und damit deutlich wurde:
Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.
Der Segen liegt auf den Friedfertigen.
Denen, die Frieden stiften.
„Wehe jedoch denen, die die Religion und selbst den Namen Gottes für ihre Zwecke verbiegen und damit das Heilige in den Schmutz ziehen. Die Welt wird von einer Handvoll Tyrann zerstört und einer unbeschreiblich großen Zahl solidarischer Menschen aufrechterhalten.“
Liebe Gemeinde,
deutlicher lässt sich der Auftrag und unsere biblisch begründete Berufung als Menschen nicht ausdrücken.
Unser Leben gelingt besser, wenn wir nicht auf uns selbst fokussiert bleiben, sondern gemeinsam zusammenstehen, den Nächsten und den Fernen Raum in meinem eigenen Denken und Mitfühlen geben und füreinander einstehen. Und über allem nicht darin nachlassen, selbst friedliebend und zugewandt zu bleiben.
Das ist angesichts der Situation, in der wir uns gegenwärtig an vielen Stellen bewegen, mehr als hilfreich.
Ein bisschen weniger belehren wollen
dafür einen wenig mehr Zutrauen, Vertrauen in die Anderen, die es meist auch gut meinen. Wissen, dass ich selbst vermutlich ebenso viel falsch mache wie andere auch.
Weil wir alle nicht frei von Fehlern sind.
Dann halte ich die Orientierung aus Psalm 51 für bedenkenswert und alltagsdienlich, die wir gehört hatten:
Gott zu bitten: Öffne mir die Lippen, und meinen Mund wird deinen Ruhm verkündigen.
Und selbst wenn wir mit zerknirschtem Geist, mit zerbrochenen oder angeschlagenen Herzen unterwegs sind, wird Gott uns nicht verschmähen.
Sondern annehmen,
und aufrichten,
und uns zu Worten und Gesten bringen,
die heilen und verbinden und friedvoll wirken.
Alles andere wäre einfach unter unserer Würde. Gott sei Dank. Amen