Dankesworte der Kirchgemeinde anlässlich der Trauerfeier für Prof. Dr. Martin Petzoldt

Dankesworte Trauerfeier Prof. Dr. Martin Petzoldt

Liebe Gemeinde,
wo anfangen mit dem Dank für all das, was Martin Petzoldt für unsere Kirchgemeinde war, als langjähriger Kirchenvorsteher, als treues Gemeindeglied, als außergewöhnlicher Prediger, als Mensch? Vielleicht erst einmal bei Ihnen, liebe Frau Petzoldt und liebe Familie Petzoldt, die Sie Ihren Mann und Vater nicht nur in den letzten Wochen seines Lebens in bewundernswerter Weise unterstützt und begleitet haben. Hinter all dem, was er vor allem in der Zeit seiner schweren Erkrankung noch bewegen konnte - und das war noch einmal sehr viel - standen Sie, haben mitgetragen, haben ausgehalten und ihm den Rücken gestärkt. Unser Dank gilt heute auch Ihnen.

Danke, dass er mit Ihrer Hilfe das war, was wir nicht vergessen werden und was uns jetzt schon schmerzlich fehlt: das lebendige Gedächtnis der Thomaskirche. Er kannte jeden Winkel des Archivs, es war faszinierend, wie er sich dort bewegte, wenn man mit ihm dort hinaufstieg. Und dasselbe galt und gilt für jeden Stein in dieser Kirche, in der er einst ordiniert wurde. Zu allem wusste er eine Geschichte. Aber eben nicht nur zu den Steinen. Sondern vor allem zu den Menschen, die hier gewirkt haben und wie er versucht haben und versuchen, die Tradition dieses Ortes mit Leben zu erfüllen. Viele aus der Gemeinde haben seine klugen Ansprachen und Predigten sehr geschätzt und haben sich gefreut, wenn er hier auf der Kanzel stand. In seinen Predigten wurde deutlich, was ihn als Menschen ausgemacht hat und was viele von uns an ihm geschätzt haben: seine Gelehrsamkeit, auf die er sich nie etwas eingebildet hat im Verbund mit seinem freundlich-zugewandten Wesen. Seine Genauigkeit, mit der er zu Werke ging, seine Klarheit, mit der er auf Dingen beharren konnte: Eine Kirche wie diese hat zwei Gottesdienste jeden Sonntag anzubieten, auch an zweiten Feiertagen, auch an Epiphanias. Den Gottesdienst zur Disposition zu stellen bzw. der Beliebigkeit örtlicher oder zeitlicher Gegebenheiten auszuliefern, das kam für ihn nicht in Frage. Wenn wir selbst die Mitte unseres Gemeindelebens nicht mehr ernst nehmen, wie wollen wir dann noch glaubwürdig in einer Stadt wie dieser sein?

Seiner Strenge verdanken wir da viel und auch wenn er das vielleicht nicht so ausgedrückt hat: ihm lag schlicht und ergreifend an der Qualität von Gottesdiensten und mit welcher Genauigkeit sie vorbereitet wurden. Wenn er das Bemühen erkannte, war er mit einem durchaus nachsichtig. Auch das ist etwas, was wir ihm alle nur danken können: für seine Art von zugewandter Begleitung, für seine loyale Unterstützung. Wie wenige war er in der Lage, zwischen Sache und Person trennen zu können. In vielen Diskussionen im Kirchenvorstand haben wir ihn so erlebt. Klar in der Sache - aber eben auch immer bemüht, auf den mit der entgegengesetzten Meinung zuzugehen, immer wieder Brücken zu schlagen. Loyal hat er auch die Dinge mitgetragen, die ihm persönlich nicht gefielen, man musste nie befürchten, dass da etwas hinter dem Rücken läuft und er hat uns auch seine intellektuelle Überlegenheit als Theologe und Bachforscher nie spüren lassen. Mit anderen zusammen verdanken wir ihm, dass wir heute in einer sanierten Thomaskirche zusammenkommen können und etwas von dem erleben, was ihm gerade auch bei seiner mit Leidenschaft betriebenen Rekonstruktion der Gottesdienste der Bachzeit am Herzen lag: die lebendige Tradition der Bach'schen Musik und ihrer Texte. Wie sie uns zu trösten wissen, wie sie uns Tag für Tag aufzubauen wissen und unsere Hoffnung am Leben erhalten, dass das Ende dieses Lebens zugleich der Beginn eines neuen bei Gott ist. So danken wir Gott für das Leben von Martin Petzoldt, für alles, was er uns war und was er uns bleiben wird.

Pfarrerin Britta Taddiken