Predigt über Maria zum Krippenspiel der Jungen Gemeinde

Maria

Die Nacht ihrer ersten Geburt war Kalt gewesen. In späteren Jahren aber Vergaß sie gänzlich Den Frost in den Kummerbalken und rauchenden Ofen. Und das Würgen der Nachgeburt gegen Morgen zu. Aber vor allem vergaß sie die bittere Scham Nicht allein zu sein

Die den Armen eigen ist. Hauptsächlich deshalb Ward es in späteren Jahren zum Fest, bei dem Alles dabei war. Das rohe Geschwätz der Hirten verstummte. Später wurden aus ihnen Könige in der Geschichte. Der Wind, der sehr kalt war Wurde zum Engelsgesang. Ja, von dem Loch im Dach, das den Frost einließ, blieb nur Der Stern, der hineinsah. Alles dies Kam vom Gesicht ihres Sohnes, der leicht war, Gesang liebte Arme zu sich lud Und die Gewohnheit hatte, unter Königen zu leben Und einen Stern über sich zu sehen zur Nachtzeit.

Bertolt Brecht

 

Maria fasziniert. Seitdem sie zu einer der Hauptfiguren im Christusgeschehen wurde, stößt Maria jedoch auch auf Widerstand. Verehrt wurde sie schon immer, manchmal sogar so sehr, dass man sie zur Göttin emporhob. Wie geerdet muss Maria sein, wie erhöht darf sie sein? Dass Marienverehrung groteske Züge annehmen kann, hat die Kirchengeschichte gezeigt. Sehr schön wird dies im Film "Der Name der Rose" bearbeitet. Eine gewisse Faszination dieser biblischen Maria kann ich nicht verleugnen. Die traditionelle Marienverehrung zeigt mir eine Frau, die so ganz und gar nicht in unsere Zeit passt. Eine Frau, die eigentlich nie in die Zeit passte, die, wenn ich es recht betrachte, gar kein richtiger Mensch war – zur Heiligen und zum Gottesersatz erhoben – so begegnet mir die Maria in der Tradition. Auf der anderen Seite sehe ich eine Maria, die wie keine andere, Frau sein kann: reine Jungfrau und hingebungsvolle Mutter.

Ganz frech als Mann behaupte ich und traue das Frauen zu, dass sie sich insgeheim nur eine Seite dieser Maria aneignen. Entweder bezogen sie Jungfräulichkeit, und das heißt seit Anbeginn unserer Kultur auch Unabhängigkeit, auf sich. Oder sie lernten die Lasten ihrer Mutterschaft mit dieser Maria still zu tragen, vielfach auch zu ertragen.

Maria Keusch und rein -dann: keuchen - und: rein,

die Anspielungen sind sehr deutlich, liebe Gemeinde. Marias Schwangerschaft ist umstritten, nicht nur bei ihrem Freund Joseph damals. Wie damit umgehen, fragte er sich?  Was soll das bedeuten, fragen Jugendliche, fragen aufgeklärte Menschen 2014?

Mit Maria der Jungfrau beginnen die Probleme.  Wer kann mit ruhigem Gewissen und hellem Verstand im Glaubensbekenntnis sprechen „geboren von der Jungfrau Maria?“ Ich sage Euch, viele Jahre habe ich an der Stelle als Jugendlicher und junger Student immer den Mund gehalten und erst eine Zeile später weitergebetet. Bis eines Nachmittags im theologischen Seminar mir die Augen geöffnet wurden oder der Verstand, je nachdem. Ich begriff: hier geht es nicht vordergründig um ein biologisches Phänomen, das in allen großen Weltreligionen bei der Geburt ihrer wichtigsten Vertreter vorkommt, sondern hier geht es um etwas Tiefgreifenderes. Hier geht es darum, dass ich mich von Gott beschenken lasse. Und welches Symbol wäre dafür wohl eindrücklicher als die Jungfrauengeburt. So wunderbar und wundersam, wie eine Jungfrau ein Kind bekommen kann, so wunderbar und wundersam handelt Gott an mir. Ich muss nichts dazutun- Ich kann es einfach geschehen lassen – dieses Beschenken. An der Jungfrau Maria wird deutlich, Gott beschenkt mich mit dem wertvollsten, was er hat. Er beschenkt mich mit seinem Sohn Jesus Christus. Schöner kann es doch kaum zum Ausdruck gebracht werden. Dankbar bin ich dafür und dankbar für die Erkenntnis, dass in Fragen des Glaubens uns der Verstand manchmal ein Bein stellt und ich eher dem Ruf meines Herzens als denn den meines Geistes folgen soll. Seit jenem Nachmittag spreche ich auch wieder das Glaubensbekenntnis komplett mit. Die junge Frau Maria musste zur Jungfrau werden, damit ich an ihr dieses Wunder entdecken kann.

Möge uns Maria zum Vorbild werden, nicht um sie anzubeten, denn das gebührt einzig allein dem Mensch gewordenen Gottessohn. Sie kann uns aber zum Vorbild werden, wenn wir zu viel zweifeln, zu viel fragen. Was Gott an mir tut, muss ich nicht immer verstehen. Ich darf mich getrost beschenken lassen, ganz ohne Gegenleistung und Hintergedanken. Denn solches! Beschenken schenkt mir die Freiheit, mich dem Nächsten zu verschenken.

Amen.

Und der Friede Gottes.....