Ansprache in der Komplet der Christnacht

Ansprache Komplet 2014, 00.00 Uhr

Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. (Matthäus 1,18-21)

Liebe Gemeinde,
Wie gut, dass es einen wie Josef gibt. Einen, der seine Bedenken überwindet. Einen, der das Schwache schützt und das Heilige hütet. Einen, der klaren Kopf behält, trotz persönlicher Enttäuschung und Verletzung. Das Kind, das seine Maria bekommen soll, ist nicht von ihm. Er hätte sie öffentlich anklagen können. Oder ihr einen Scheidebrief ausstellen ihren Ruf lebenslang schädigen. Aber er stellt sie nicht bloß. Heimlich will er sich davon machen und damit die Schuld der Schwangerschaft auf sich nehmen.

Aber der Engel weist ihm einen anderen Weg. Nicht weglaufen aus dieser Situation, sondern bleiben. Verantwortung übernehmen, trotzdem, denn die Schuldfrage interessiert in diesem Moment nicht. Und: Er soll dem Kind seinen Namen geben: Gott rettet. Durch ihn, Josef, soll öffentlich werden: In diesem Kind rettet Gott die Welt. Ohne Menschen wie ihn, die nicht viel fragen, sondern handeln, hätte es keine Überlebenschance. Und so geht er weiter seine Wege mit: nach Bethlehem, auf die Flucht nach Ägypten, zurück nach Nazaret und auch bei der sorgenvollen Suche nach dem verlorengegangenen 12jährigen Kind im Jerusalemer Tempel ist er dabei.

Ohne Menschen wie Josef geht es nicht in unserer Welt. Wo Gott Mensch wird, da gibt es keine Unbeteiligten. Da gibt es niemanden, der ausgeschlossen ist oder sich heimlich davonstehlen muss. Wie bei Maria hat Gott sich auch bei Josef in menschliche Hände begeben. Der einfache Zimmermann aus Nazaret trägt dazu bei, dass Gott in dieser Welt Herberge gefunden hat. Dass seine Güte und seine Liebe bei uns Raum finden bis heute. Dass das neue Leben wachsen kann in einer Welt, die gefährlich ist. In der gemordet wird, auch Kinder - damals wie heute. In der Krieg geplant und geführt wird. In der die Schwachen und Verlierer ins Abseits des Interesses rücken und für ihr Elend nicht selten auch noch verachtet werden. In der Menschen vertrieben werden und auf der Flucht sind. In diese Welt, wird der Erlöser, Christus, der Heiland hineingeboren. Und einer wie Josef wird dazu gebraucht, dass er sein Werk tun kann. Einer, der sich erst nichts anderes wünscht als zu verschwinden und heraus zu sein aus einer Situation, die man nicht verursacht hat. Einer, der dennoch erkennt, was er tun kann - und der es dann auch tut. Er schützt die Heiligkeit des Lebens vor dem Zugriff der Gewalttätigen. Er stellt sich an die Seite Marias.

Wie gut, dass es Menschen wie Josef gibt. Unter diese Josefsmenschen mischt sich Gott. Ihnen vertraut er sich an. Wir Josefsmenschen können ihm auf die Welt helfen. Amen.

Britta Taddiken, Pfarrerin an der Thomaskirche, taddiken@thomaskirche.org