Predigt über 4. Mose 6, 24 zum Gottesdienst während des Bachfestes auf dem Markt

  • 16.06.2019 , Tag der Dreieinigkeit – Trinitatis
  • Pfarrer Martin Hundertmark

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen.

 

Segen wünschen wir uns alle, liebe Bachfestgemeinde. Denn mit Segen verbinden wir etwas, das uns gut tut. Neben persönlichem Wohlergehen steht Segen häufig für Glück und gelingendes Leben, für Bewahrung oder Schutz. 

Wir wünschen uns Segen für unsere Lieben,

für das eigene Leben und gewiss auch für manche schwierige Entscheidungen.

Vom Segen wird viel erzählt in der Heiligen Schrift. Gott segnet Mann und Frau und verbindet seinen Schöpfungssegen mit dem konkreten Auftrag, die Erde zu bebauen und zu bewahren.

Momentan wird uns gerade von der jungen Generation vor Augen geführt, wie wir als erwachsene Entscheidungsträger diesem segensreichen Tun entschieden zuwider handeln.

Segen ist dem Gottesvolk verheißen am Ende der dürren Zeiten im Wüsten-Alltag.

Und Jesus Christus selbst setzt ein besonderes Zeichen als er die Kinder segnet.

Denn so wird deutlich, wie Gott uns ansieht – als seine Kinder, für die er Verantwortung übernehmen möchte.

 

Von gesegneten Zeiten erzählt musikalisch

J. S. Bachs eben gehörte Kantate.

„Lobe den Herrn, meine Seele“, sang der Chor zu Beginn, um dann nachzuschieben „und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“.

Wir neigen gerne zum Vergessen, wenn es um den Dank geht. Und der Rückblick dient doch recht oft nur als Folie für eine negativ empfundene Gegenwart.

Gerade die Psalmen als reicher Glaubenserfahrungsschatz lehren uns aber etwas Anderes:

Im Kleinen lässt sich Gott finden – auch im eigenen kleinen Leben. Dafür lohnt sich der Dank. Geh also auf Entdeckungsreise, um seine Spuren zu finden.

 

Die Ratswahlkantate ist vom Dank geprägt. Neben den persönlichen Dank tritt gleichberechtigt der Dank für eine fürsorgliche Obrigkeit.

Inwieweit stadtpolitisches Handeln als segensreich empfunden wird, darüber werden wir wohl sehr schnell in Streit geraten.

 

Weltliche Obrigkeit kann nerven, liebe Gemeinde, wenn Steuern erhoben werden oder die Logik des Amtsschimmels einen zur Verzweiflung treiben will. Ihr Handeln kann befremdlich wirken, wo Straßen erst dann für Radfahrer als gefährlich eingestuft werden, wenn eine bestimmte Anzahl von tödlichen Unfällen erreicht ist.

Auf der anderen Seite steht das factum:

Wir leben hier seit vielen Jahrzehnten in Frieden und verglichen mit den meisten Städten der Erde in auskömmlichen Wohlstand. Dafür darf den politischen Entscheidungsträgern auch einmal ausdrücklich gedankt werden.

Dass Wohlstand manchmal nicht fair verteilt ist, gehört gleichermaßen zu unseren Alltagserfahrungen. Daran dürfen und müssen wir gemeinsam arbeiten. Diesbezüglich stehen wir vor herausfordernden Aufgaben.

Dabei nicht auf nationale oder sozialistische platte Antworten hereinzufallen ist eine mindestens ebenso große Herausforderung.

Dort, wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden, sind Widerstand und Widerspruch als evangelische Impulse besonders nötig.

Sie stehen den christlichen Tugenden von Barmherzigkeit, Demut und Geduld in nichts nach.

 

 

Ratswahlen sind zeitlich. Gottes Erwählung ist ewiglich. Das darf ich mir vor Augen führen, um manche politischen Entscheidungen auch aushalten zu können.

 

Gott erneuert seinen Bund in Jesus Christus. Sein verheißener Segen wird in ihm ganz menschlich. Dieser Christus, selber durch Kreuz, Leiden und Tod hindurchgegangen, wählt mich, ja mich kleines Menschenkind zu seinem Freund.

Als feste Zusage steht er an meiner Seite, auch in Kreuz und Leiden. Sehr individuell zeigen sich Kreuz und Leiden im eigenen Leben und liegen doch gleichermaßen schwer auf oft schmalen Schultern.

Mit der Bassarie will ich beten. Und dieses Gebet wird Erinnerung sein an die verheißenen Zusagen.

 

Mein Erlöser und Erhalter,
Nimm mich stets in Hut und Wacht!
Steh mir bei in Kreuz und Leiden,


Der bewahrende Gott hinterlässt Spuren auf dem Lebensweg seiner Menschenkinder.

Wir entdecken sie nicht immer sogleich. Wo wir sie aber sehen können, geht es gar nicht anders, als die Mundwinkel vom jammernden „nach unten“ zum freudigen „nach oben“ zu verändern.

„Alsdenn singt mein Mund mit Freuden:
Gott hat alles wohlgemacht.“

 

 

 

Segen, liebe Gemeinde, ist eine auf Hoffnung hin ausgestreute Himmelsgabe. Wirksam und sichtbar wird Segen im tätigen Weitergeben.

Der Schlusschoral der Kantate, entnommen aus Luthers Lied „Es woll Gott uns genädig sein“, bringt es zu Beginn auf den Punkt:

 

„Es danke, Gott, und lobe dich
Das Volk in guten Taten.
Das Land bringt Frucht und bessert sich.
Dein Wort ist wohl geraten.“

 

Gottes Wort entfaltet sich im guten Tun.

Nun mag es in manchen Ohren vielleicht etwas merkwürdig klingen, wenn hier von „Volk“ gesungen wird angesichts einer deutlichen christlichen Minderheit in dieser Stadt. Sie ist aber wirksam und traut sich, ihre Stimme zu erheben. Verstecken gilt nicht als Christ, schon gar nicht im Schweigen. Vielmehr gilt es, in die Stadt zu sprechen, jeder an seinem Platz. Christsein im Alltag zeigt sich dort, wo ich mich zu den Werten einer frohen Botschaft bekenne. Jesu Evangelium ermutigt uns auf die Schwachen zu schauen.

Es mahnt uns dort, wo eigene Interessen zum Gott werden.

Und es stärkt wenn Zweifel an den Grundfesten nagen wollen.

 

Als alles aussichtslos gefangen war in Tod und Dunkelheit und sich alle Kräfte lebensfähiger Zukunft entgegenstellten, wurde es Ostern. Christliche Hoffnung wird sich erfüllen.

Davon leben wir und daraufhin sterben wir.

 

Liebe ist das tragfähigste Band menschlicher und göttlicher Beziehungen. Sie wird gesegnet zu Beginn der Schöpfung, weil Beziehungen, die auf ihrem Fundament gegründet sind, für andere zum Zeichen göttlicher Liebe werden.

 

Wo die sprichwörtlichen Fleischtöpfe Ägyptens zur Verlockung einer rückwärtsgewandten Sehnsucht nach vollem Bauch werden, verblassen Zwangsarbeit, Bevormundung und Unfreiheit.

Freiheit im christlichen Sinne löst uns von den oftmals sehr festen Bindungen an uns selbst. Jesus Christus möchte uns zum Vertrauen locken. Sich einzig an ihn zu binden wenn es um Leben und Tod geht bedarf des Mutes, loslassen zu können. So erfahren wir Erlösung im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Die Segensbitte ist nötig, weil wir uns Segen nur schenken lassen können. Er wird erfahrbar,

wo der Glaube seine Kräfte von Hoffnung, Liebe, Freiheit und manchmal auch Geduld zeigt.

Am heutigen Trinitatisfest verbinden sich Dank, Lob und Segensbitte.

 

„Uns segne Vater und der Sohn,
Uns segne Gott, der Heilge Geist,
Dem alle Welt die Ehre tut,
Für ihm sich fürchten allermeist,
Und sprecht von Herzen: Amen!“

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unser Verstehen, bewahre eure Herzen uns Sinne in Jesus Christus. Amen.