Motettenansprache

  • 14.02.2020
  • Pfarrer Martin Hundertmark

Liebe Motettengemeinde,

 ob der heutige Tag eine Erfindung der Blumenhändler ist, lässt sich nicht genau sagen. Die Vermutung liegt nahe. Denn schon Wochen vor dem 14. Februar wird uns suggeriert, dass ohne angemessenes Geschenk und entsprechender Blumensträuße für die oder den Liebsten dieser Tag schlicht unmöglich ist.

Im Heiligenlexikon finden wir den Eintrag für den 14. Februar:

Valentin, Bischof von Rom und Terni. Er lebte im 3. Jahrhundert und wurde 269 als christlicher Märtyrer hingerichtet. Zu dieser Zeit gab es schreckliche Christenverfolgungen und wer sich dem römischen Kaiser widersetzte, musste mit dem Tod rechnen.

Valentin soll der Legende nach, Verliebte heimlich christlich getraut haben – trotz des Verbots und Liebenden schenkte er Blumen.

Genau nachprüfen lässt sich das alles nun heute nicht mehr. Aber, wie das bei Legenden so ist, sie haben ihren Charme und Valentin wurde schnell zum Schutzpatron der Verliebten, auch der Imker und, je nach Konfession, wird er bei Krankheiten angerufen, z. B. bei Wahnsinn.

Sollte Letzteres stimmen, wird er in der vergangenen Woche in Thüringen wohl viel zu tun gehabt haben.

 

Wie dem auch sein, am Valentinstag darf man die Frage nach der Liebe stellen. Lässt sie sich auf einen Tag im Jahr verorten oder sollten es mehrere sein? Brauchen Verliebte bestimmte Anlässe, um glücklicher zu sein?

 

Im alttestamentlichen Buch „Lied der Lieder“ wird uns von der Liebe erzählt. Die dort vorfindlichen Worte sind wunderschön und voller Symbolik. Sie lassen der Liebe Raum und den Liebenden ebenso. Versuchte man in vergangen Jahrhunderten, aus falsch verstandener Moral, dieses Buch als Symbolische Liebesbeziehung zwischen Gott und seinem Volk darzustellen, wird heute doch ein anderer Weg beschritten.

Ja, die Bibel steht zur Liebe und beschreibt die innige Gemeinschaft der Liebenden, erzählt von Sehnsucht und Verlangen und erfreut sich an der Erfüllung. Die Kraft der Liebe ist eine der stärksten Kräfte, die uns Menschen binden.

So lesen wir im „Lied der Lieder“ im 8. Kapitel

 „Denn Liebe ist stark wie der Tod.“ (Hoheslied 8,6)

 Beim ersten Hören mag der Vers merkwürdig in unseren Ohren klingen. Warum werden Liebe und Tod auf eine Stufe gestellt?

Ich denke, es geht hier um Bindungen, die unser menschliches Leben ausmachen. Manche von ihnen knüpfen wir selber, in andere werden wir hineingeboren und wiederum anderen sind wir ausgeliefert.

Zu unseren menschlichen Erfahrungen zählt, dass der Tod eine so starke Kraft hat, dass er unsere liebsten Verbindungen durchtrennen kann. Liebe, so scheint es, ist dann endgültig verloren. Und wir wissen auch, wenn ein Mensch von uns geht, werden wir ihn nicht mehr in die Arme nehmen können.

Damit ist dem Tod die stärkste Kraft zugewiesen, gegen die wir nichts auszurichten vermögen.

 Nun setzen die Schreiber des Liedes der Lieder genau dieser Kraft eine andere Kraft entgegen.

Die Liebe vermag es, Grenzen zu überwinden. Ihre Stärke besteht im Vertrauen, dass sich Liebende gegenseitig schenken.

Sie kann so mächtig sein, dass unüberwindliche Hindernisse genommen werden können und die Sehnsucht nach der Liebe beflügelt Menschen jeglichen Alters.

Tiefe Liebe zwischen zwei Partnern lässt sich durch nichts trennen.

Die innige Verbundenheit schafft es, sogar den Tod zu überwinden, weil die Liebe nicht ausgelöscht wird.

 Liebe braucht Pflege und dafür eignen sich gewiss auch Gedenktage. Ob sie verordnet sein müssen, wird jedes Paar für sich selber zu entscheiden haben. Viel spannender und interessanter sind die individuellen Erinnerungsmomente. Sie geben der Liebe etwas Besonderes und beleben Beziehungen.

 

Weil wir nicht nur aus dem christlichen Glauben heraus wissen, dass Liebe sogar stärker als der Tod ist, dürfen wir sie als Lebende feiern. Amen.

Pfarrer Martin Hundertmark
hundertmark@thomaskirche.org