Konzert

„In aeternum - Josquin des Préz zum 500. Todestag“

Erstes Live-Konzert nach dem Lockdown in der Thomaskirche

Zeit Freitag, 04. Juni 2021
19:30 - 21:00
Einlass 19:00
Ort Thomaskirche

500 Jahre Josquin des Préz
Josquin des Préz ist für das Jahr 2021, was Beethoven für das Jahr 2020 war: ein großer Jubilar als Epochensymbol. Die franko-flämische Vokalpolyphonie findet ihren Gipfelpunkt im Werk dieses Mannes, der von Fürsten und Musikverlegern umworben, von Zeitgenossen wie Martin Luther geschätzt, von Komponistenkollegen und Sängern geachtet wurde wie kein zweiter: Josquin des Préz, Liebling der Götter. Auf von anderen unerreichte Weise gelang ihm die Verschmelzung von kontrapunktischen Künsten und wortgezeugtem Ausdruck, techné und ars, Hirn und Herz.
Mit einem Programm aus Josquins Marien-Messen und -Motetten erweisen wir amarcords in diesem Konzert dem Jubilar die Reverenz, dessen Werk die Menschen berührte – und zugleich auf die Ewigkeit zielte. Durchzogen von einer tiefen Marienfrömmigkeit, sind einige seiner größten Schöpfungen der Gottesmutter gewidmet, und selbst sein Todestag am 27. August 1521 fiel auf den 13. Tag nach Mariä Himmelfahrt. Dies nehmen wir zum Anlass, eine Messfeier zu Josquins Gedächtnis zusammenzustellen, für die wir vier Ordinariumssätze (Kyrie, Gloria, Sanctus, Agnus Dei) drei unsterblichen Marienmessen entnehmen: der Missa Ave maris stella, der Missa de beata virgine und der Missa Mater patris. Eine besondere Bewandtnis, die amarcord zugute kommt, hat es mit der Missa de beata virgine, die auch Missa coronata genannt wird: bei Vorherrschung der 4-Stimmigkeit im Messschaffen Josquins ist das Sanctus die einzige 5stimmige Variante dieses Satzes im gesamten Messœuvre Josquins und damit wie gemacht für uns fünf amarcords.
Unterbrochen und angereichert wird der Ablauf der Messsätze durch einstimmige Marienantiphonen und -hymnen sowie durch der Jungfrau Maria gewidmete Votivmotetten. Illibata Dei virgo nutrix, eine der großartigsten Motetten Josquins, ist zugleich seine musikalische Visitenkarte, da das im ersten Teil versteckte Akrostichon seinen Namen enthält:

Illibata Dei virgo nutrix
Olympi tu regis o genitrix
Sola parens verbi puerpera
Quae fuisti Evae reparatrix
Viri nephas tuta mediatrix
Illud clara luce dat scriptura
Nata nati alma genitura
Des ut laeta musarum factura
Prevaleat hymnus et sit ave
Roborando sonos ut guttura
Efflagitent laude teque pura
Zelotica arte clament Ave.

Mit der Aufführung seiner Motetten Salve Regina und Pater noster / Ave Maria erfüllen wir nach 500 Jahren sein Vermächtnis, sollte doch zu seinem immerwährenden Gedächtnis die erstere Motette an Marianischen Feiertagen gesungen werden, während letztere bei Prozessionen vor seinem Sterbehaus zu intonieren war.
Mit Pater noster / Ave Maria schließt sich nicht nur inhaltlich der Kreis zur eröffnenden Motette Ave Maria ... virgo serena. Beide sind auch in wichtigen Leipziger Quellen (Ms. Thomaskirche 49/50 bzw. Apel Codex) zu finden. Das legt nahe, das die Werke Josquins auch in der Thomaskirche erklungen sind, die mit ihrem spätgotischen Gewölbe aus dem Jahr 1496 den idealen Raum für diese Musik darstellt. Komposition, Klang und Architektur verschmelzen zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk.
Auch wenn Josquin des Préz nie in unserer Heimatstadt war, so ist er doch über seine Werke hier präsent  – und wird es als einer der größten seiner Zunft bleiben in aeternum.

Daniel Knauft
amarcord

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